Vienna Ghosthunters - Verein für paranormale Untersuchungen

WIENER ZEITUNG - INTERAKTIV - DAS GAME

Du willst einen Geist jagen?
Den von Wiens erster Serienmörderin, der Blutgräfin?
Du willst wissen, wie professionelle Geisterjäger arbeiten?

In diesem interaktiven Spiel entscheidest du Klick für Klick, was du in vier Teilen über Elisabeth Báthory, die Blutgräfin, erfahren möchtest, ob es Geister gibt und wie Willi, der Anführer der Vienna Ghost Hunters , nicht nur wie hier am Friedhof der Namenlosen, sondern auch an anderen Orten Geister jagt. Für die rasche Geisterjagd brauchst du 15 Minuten, umfassend informiert bist du nach rund 45. Los geht's!

Pünktlich zu Halloween erscheint das interaktive Game der Wiener Zeitung.

Neben Informativen Einflüssen, kann man auch das Ambiente des Geisterjagens am eigenen Leib erfahren.

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Onlineausgabe vom 30.10.2018
Printausgabe vom 31.10.2018


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Text von Martina Madner

Was die Jagd nach dem Geist von Elisabeth Báthory im Keller ihrer Stadtwohnung zu Tage fördert.


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Wien. Es ist ein schmuckloses Haus mit vier Geschoßen - nicht in der Blutgasse, sondern der Augustinerstraße. Die Spannung beim Eintreten durch das Tor steigt - bis einem bewusst wird, dass der Blick auf die dunkelbraunen Renaissance-Pawlatschen heute beeindruckender sein dürfte als damals durch die Fenster in den kopfsteingepflasterten Innenhof. Schließlich gibt es sie erst seit 1870.

Es ist auch weniger die Architektur, die das sogenannte Ungarische Haus oder Harnischhaus interessant macht, sondern eine seiner Bewohnerinnen, Elisabeth Báthory, die als Blutgräfin in die Geschichte einging. Deshalb machte sich ein Journalisten-Team auf die Suche nach Spuren, nicht nur mit Historikern, sondern auch vor Ort in ihrem Wiener Domizil. Die Autorin Gabriele Hasmann, die über geschichts- und spukträchtige Orte schreibt und die Vienna Ghosthunters, begleiteten die Truppe dabei, auch sich auf die Suche nach dem Geist der Báthory zu machen

Ein "Schwarzer Ritter", um "Reich und Vaterland verdient"

Elisabeth Báthory wurde 1560 in Nyírbátor geboren. Im Alter von elf Jahren wurde sie mit Franz Nádasy von Fogarasföld verlobt, vier Jahre später folgte die Hochzeit mit "einem der Einflussreichsten und Reichsten seiner Zeit", wie der ungarische Historiker Géza Pálffy erläutert. Nádasy gehörten Ländereien insbesondere in Westungarn, der heutigen Slowakei und Österreich - darunter die Burg Lockenhaus im Burgenland oder eben auch das Stadtdomizil in Wien.

Báthorys Gemahl soll "gute Beziehungen zu Wien gepflegt haben", sagt Pálffy. Nádasy spielte auch "in der Verteidigung im Zuge der Türkenkriege eine gewichtige Rolle". In diesen fiel er auch als besonders grausamer Feldherr auf und soll Kriegsgefangene gefoltert haben. Von Freunden und Verbündeten damals verehrt, was sich in der Bezeichnung des "weiland hochgeehrten und hochedlen Herrn Franz v. Nádasd, dieses um Reich und Vaterland sonst vielverdienten Mannes" widerspiegelt, soll er von seinen Feinden als "schwarzer Ritter" bezeichnet worden sein.

Deutlich mehr Aufmerksamkeit erntete aber Elisabeth: Der Jesuit László Turóczi beschäftigte sich in der "Tragica Historia" schon 1729 als erster mit ihrer Geschichte. Viel Aufmerksamkeit erhielten Freyherr von M-y’s "Elisabeth Báthory. Eine wahre Geschichte" von 1812 und Moritz Gans Roman in vier Bänden zu den "Geheimnisse der Schachtizburg" 1854. Auch Leopold von Sacher-Masoch soll sich von ihren Taten inspirieren lassen haben; Ferdinand Strobl von Ravelsberg entwarf 1894 ein "Sitten- und Characterbild", nannte sie als einer der ersten explizit "Blutgräfin" im Titel.

Heute noch ist der Stoff Grundlage zahlreicher Bücher und Filme. Eine schwedische Metal-Band widmete ihr mit "Woman of Dark Desires" nicht nur ein Werk, sondern benannte sich gleich nach ihr. Schließlich soll Elisabeth Báthory bis zu 600 Morde an Dienstmädchen begangen haben.

Ein Zeugen-Verhör zu
einer "grausamen That"

Deshalb zurück an den Beginn der Geschichte: Georg Graf von Thurzo, Ungarns Reichspalatin, ließ 1610 Erkundigungen über die Gräfin einholen, also Zeugen einvernehmen. Nach mehr als 50 Aussagen über Morde entschloss er sich zur Erstürmung des "Kastell zu Cheite" im Dezember.

Dass Báthory dabei auf frischer Tat ertappt wurde, wie in manchen Romanen erwähnt, ist so nicht gesichert. Glaubt man dem Urteil vom 7. Jänner 1611, dürfte sich der Mordverdacht aber erhärtet haben: Man habe bei der Erstürmung der Burg eine, "durch Schläge und Folter elend umgekommene Jungfrau, Namens Doricza, und zwei andere, gleichfalls bis zum Tod gemarterte, im Verscheiden begriffene in dem nämlichen Kastell zu Cheite, mit der vorerwähnten verwittweten Frau Nádasdy" gefunden.

Das Urteil bzw. eine Abschrift davon im "Hesperus", dem "Nationalblatt für den gebildeten Leser" von 1817 im Internet allgemein zugänglich, genauso wie eine "Abschrift des Zeugen-Verhörs in Betreff der grausamen That, welcher Elisabeth v. Báthori, Gemahlinn des Grafen Franz Nádasdy beschuldiget wird", vom 2. Jänner davor.

"Gräuliche Strafen" für "Gräuelthaten"

Aussagen der Gräfin sind darin keine zu finden, wohl aber von ihren Bediensteten, Ficzkó, Helena Jó, Helene und Dorothea, die "als Mithelfer und Mörder unschuldiger Personen, Mitwisser und Theilnehmer einer so heillosen That" angeklagt waren. Ficzkó berichtet nicht nur von 37 Morden während seiner Dienstzeit, sondern auch von Folterungen, etwa, das Opfern das Gesicht mit einem "Kräusel-Eisen" verbrannt worden sei, die Blutgräfin habe junge Frauen "dem Frost ausgestellt" oder in die "Marter-Kammer gebracht und zu Tode gepeiniget." Er selbst wird von einer der Mitangeklagten beschuldigt, dazu ausgeschickt worden zu sein, für Báthory "Mädchen zu rauben und zuzubringen", nicht aber gefoltert und gemordet zu haben.

Helena Jó erhöhte die Anzahl auf "fünfzig oder drüber, die ermordet wurden". Sie ist eine mögliche Quelle für den späteren Titel "Blutgräfin". Bathory habe manche Opfer so "zerhauen, daß man vor ihrem Bett das Blut handvollweiß aufschöpfte". Sie behauptete: Die "Frau schlug und marterte die Mädchen so, daß sie voll Blut war, und bisweilen sogar das Hemd wechseln, und die blutige Mauer abwaschen lassen mußte". Blutbäder, die die Gräfin genommen haben soll, sind allerdings Romanen später geschuldet, genauso wie die bis zu 600 Opfer.

Laut Urteil waren es "Gräuelthaten", die "durch gräuliche Strafen geahndet werden müssen": Helene und Dorothea wurden verbrannt, Ficzkó geköpft, Katharina war als Zeugin für "einige Zeit hindurch noch im Kerker zurückzuhalten" - Elisabeth Báthory "als ein blutdürstiges, höchst ruchloses, auf frischer Gräuelthat ertapptes Weib zu ewiger Gefangenschaft auf dem Schloß Cheite zu verurtheilen und zu übergeben".

Auf der Suche nach einem Geist einer Blutgräfin

Historiker Géza Pálffy vermutet hinter dem Urteil zwar niedere Motive ihrer Zeitgenossen, schließlich hatte Bathory nach dem Tod Nádasys 1604 seine Güter geerbt. Schlechte Behandlung von Dienstboten dürften damals aber üblich gewesen sein, Tote als Folge davon aber doch eher eine Seltenheit - "einige aber gab es vermutlich schon", räumt Pálffy ein. "Als Historiker möchte ich aber kein Urteil sprechen."

Auch wenn es sich um einen Schauprozess mit Aussagen, die unter Folter entstanden sind, handelt, bleiben die Hinweise auf Báthorys Tun in Wien im Zeugenverhör für Autorin Gabriele Hasmann spannend: Ficzkó spricht zum Beispiel von einer "Putzmacherinn aus Wien", die "die Frau", also Báthory umgebracht habe. Katharina nennt dezidiert Wien als Ort, wo Báthory "gemartert" habe: "Uiberall, wo sie hinkam, suchte sie sogleich einen Ort aus, wo sie die Mädchen martern konnte. In Wien warfen die Mönche sogar Töpfe in das Fenster, als sie das Angstgeschrei hörten."

Tatsächlich befindet sich das Harnischhaus in unmittelbarer Nähe zur Augustinerbastei, beim Lokalaugenschein kann man, durch das Fenster aus dem Dachboden gestiegen, den Kirchturm derselben sehen. Auch wenn es sich um einen Schauprozess mit Aussagen, die unter Folter entstanden sind, handelt - mit all diesen Informationen bestückt, scheinen mit Wasser übergossene Dienstboten, die im Innenhof aufs Erfrieren im Winter warten mussten, nicht unmöglich.

Auch das erwähnte Angstgeschrei aus einer der Marter-Kammer vor allem im Keller, der neben Rohren noch altes, auf 13 Grad kühlendes Gemäuer zu bieten hat, nicht unwahrscheinlich. Schwankungen, die laut Vienna Ghosthunters auf Geister hinweisen könnten, messen diese an diesem Tag keine. Die schaurige Stimmung steigert sich allerdings bei Fragen, wie zum Beispiel: "Blutgräfin, bist du hier?"

Ihre Antwort lässt sich in der digitalen Geisterjagd ergründen. Nur so viel: Die Meinungen dazu, ob Báthory in der Augustinerstraße spukt, gehen auseinander.

Virtuelle Geisterjagd

Das Kollektiv Geistreich hat sich beim Zertifikatskurs Digitaljournalismus beim Forum Journalismus und Medien in Wien gefunden - und bestand aus Christian Diabl, damals Radio Fro, heute Redaktionsleiter der "Linzer StadtRundschau", Mona Müller, Moderatorin und Christoph Schütz, Dokumentarfilmer beim Wiener Stadtsender W24 sowie Martina Madner, Redakteurin bei der "Wiener Zeitung". Auf Geisterjagd ist das Abschlussprojekt des Kurses, bei dem es mehr darum ging sich spielerisch im Fotografieren, Filmen, Schnitttechnik, Programmieren oder dem Erstellen von Timelines und Storymaps mit Onlinetools zu üben, als tatsächlich ernsthaft Geister zu finden.Entstanden ist dabei ein interaktives Entscheidungsspiel, das die Leser der "Wiener Zeitung" online nachvollziehen können.


(Um zur virtuellen Geisterjagd zu gelangen, bitte anklicken)


 

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