FALTERAuf Geisterjagd
 

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ONLINEAUSGABE vom 17.3.2026

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Auf Geisterjagd

Seit 25 Jahren jagen die Vienna Ghosthunters in ihrer Freizeit Geister – und „Irrglauben". Wir haben sie bei einer „Investigation” begleitet.  

Sie sind nicht zu übersehen. In dunklen Outfits warten sie neben ihrem Bollerwagen voller Equipment auf dem Kahlenberger Parkplatz. Wie die Ghostbusters sehen die beiden nicht aus, aber durchaus, als hätten sie etwas vor. Wilhelm Gabler trägt eine schwarze Kampfweste und Tattoos. Auf einem Unterarm ist ein Poltergeist durchgestrichen – das Ghostbusters-Logo. An seinem Hals prangt sein eigenes: das der Vienna Ghosthunters.

Vor 25 Jahren hat Gabler den „Verein für paranormale Untersuchungen“ gegründet, er zählt aktuell vier Mitglieder. Alle 14 Tage rücken die Wiener Geisterjäger aus zu ihren „Investigationen”, entweder auf eigene Faust oder auf Anfrage. Die Klientele reiche von der Jungfamilie bis zur verängstigten Pensionistin. „Eigentlich wäre es ein Fulltime-Job”, sagt Gabler. Ist es aber nicht. Er und sein Vereinskollege sind tagsüber Büroangestellte.

„Energie”, nennt Gabler das, was von den Verstorbenen zurückbleibt. Esoteriker will er aber keiner sein, das ist ihm wichtig. „Scharlatane” mit Ouija-Board und Pendel würden seiner Zunft schaden. Er spricht von Wissenschaft, zitiert etwa die 21-Gramm-Theorie, laut der die Seele genau 21 Gramm wiegen soll. Wissenschaftlich bewiesen wurde sie allerdings nie. Jedenfalls arbeite er seriös, nach seinen Maßstäben. Und ehrenamtlich, bis vor Kurzem. Aber die Zeiten sind hart, auch für die Geisterjäger. Mittlerweile kostet ihr Einsatz daher 70 Euro, allein schon wegen des teuren Equipments, das sei insgesamt 270.000 Euro wert. „Bei einer Pensionistin, die eh kaum Geld hat, sind wir auch mit einem Kaffee zufrieden.”

„Was haben Sie denn da?”, fragt eine neugierige Besucherin am Kahlenberger Friedhof. „Foto-Technik”, sagt Gablers Vereinskollege und grinst verschwörerisch. Als sie weg ist, sagt er: „Sonst haben wir gleich die ersten Schaulustigen.” Streng genommen hat er sie nicht angelogen. Kameras gehören zur Grundausstattung der Geisterjäger. Und Diktier- und Aufnahmegeräte. Magnetfeldmesser. Strahlungsmesser. Drohnen. Laser. Nebelmaschinen. Im Bollerwagen sei bloß das „Unterwegs-Equipment”.

Eine Mini-Kamera auf einem Stativ reagiert auf Bewegungen. Sie schwenkt hektisch hin und her. Die Datenanalyse wird wohl Tage dauern, immerhin müsse man Störfaktoren ausschließen. Zigarettenrauch zum Beispiel. „Durch hohe Luftfeuchtigkeit kann Zigarettenrauch bis zu zwei Stunden konserviert bleiben.” Beide rauchen.

Sie sind nicht zuversichtlich, Friedhöfe gelten entgegen aller Klischees nicht als besonders „spukbehaftete” oder „spukvermeintliche Orte”. „Denken Sie logisch: Wenn Sie sterben, würden Sie am Friedhof bleiben?” Punkt für die Geisterjäger.

Gabler zeichnet mit einem Aufnahmegerät die Umgebungsgeräusche auf. „Ist irgendjemand hier außer wir?”, sagt sein Kollege. Das war jetzt eigentlich falsch, man soll den Geistern keine Ja-Nein-Fragen stellen, die Antworten wären zu uneindeutig. „Kannst du uns deinen Namen nennen?”. Er spielt die Aufzeichnung laut über eine Box ab. „Hast du das gehört?” Ein kleines Rauschen. Könnte aber auch ein umtriebiges Eichhörnchen gewesen sein. Oder der Sendemast am Kahlenberg, der dazwischenfunkt. Wer weiß. „98 Prozent der Fälle lassen sich mit natürlichen Ursachen erklären”, sagt Gabler. „Die restlichen zwei Prozent sind für mich derzeit nicht erklärbar.”

Bei den meisten Aufträgen gehe es also darum, den Klienten klarzumachen, dass sie nicht von einem Geist heimgesucht werden. Gabler will „Irrglauben aufdecken”. Aber jeder Ghosthunter verfolge auch ein persönliches Ziel. „Meines ist unerreichbar”, sagt er. Und zwar? „Dass die verstorbene Mutter meines Sohnes mir erscheint, mir auf die Schulter klopft und sagt: Du hast alles richtig gemacht.” Bis das passiert, will er nicht aufhören.

Unser Verein bedankt sich bei Viktoria Klimpfinger, für die tolle Zusammenarbeit